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Solera-Fassreifung für Rum: Ist das wirklich immer schlecht?

Beim Solera-Verfahren werden Spirituosen unterschiedlicher Jahrgänge mehrfach vermählt, um über lange Zeit gleichbleibende Qualität liefern zu können. Ursprünglich stammt diese Art der Fassreifung aus Spanien, wo sie hauptsächlich für Sherry und Brandy verwendet wurde und wird. Im Fall von Rum wird das System aber oft auch verwendet, um Spirituosen deutlich älter wirken zu lassen, als sie eigentlich sind. Entsprechend genießt die Solera-Reifung unter Melasse-Fans einen eher zweifelhaften Ruf – aber ist der wirklich gerechtfertigt?

So funktioniert das Solera-Verfahren

Am einfachsten kann man sich das Solera-Verfahren in seiner ursprünglichsten Form vorstellen: Als Pyramide aus mindestens drei, oft mehr Reihen von übereinandergestapelten Fässern. In jedem der Fässer lagern Spirituosen unterschiedlichsten Alters, wobei die ältesten in der unteren Reihe liegen – dies ist die eigentliche „Solera“, was frei übersetzt „Bodenlage“ bedeutet. Aus den untersten Fässern wird nun der finale Rum, Sherry oder Brandy in Flaschen abgefüllt, wobei sie jedoch nur zu 30 bis 50 Prozent geleert werden – abhängig von der jeweiligen Spirituose und den dazugehörigen Verordnungen. Anschließend werden die Fässer mit dem Produkt aus der darüberliegenden Reihe aufgefüllt und die wiederum mit dem Destillat aus der Reihe darüber. Ist man schließlich in der obersten Etage der „Criaderas“ („Kinderstuben“) angekommen, füllt man sie mit frischem, ungereiften Schnaps.

In modernen Anlagen besteht die Solera nur noch selten aus einer tatsächlichen Fass-Pyramide. Stattdessen lagern die Destillate unterschiedlicher Criaderas teilweise sogar in unterschiedlichen Hallen einer Bodega, werden nur zur Vermählung zusammengebracht und mit Pumpen umgefüllt. Auch, wenn das natürlich ein bisschen was von der Craft-Romantik vermissen lässt, tut das der Qualität keinen Abbruch. Vor allem aber sind nur so Soleras mit über 10 Altersstufen machbar – die ließen sich sonst schlicht nicht stapeln.

Warum benutzt man das Solera-Verfahren?

Das Ergebnis, das später in der Flasche landet, ist quasi ein halbautomatisch erzeugter Blend, der die wilden Aromen junger Spirituosen mit der Ausgereiftheit älterer Destillate vereint. Generell ist das nichts Ungewöhnliches: Auch ein Single Malt Whisky darf aus unterschiedlichen Fässern unterschiedlichen Alters kombiniert werden, solange es sich um dasselbe Grundprodukt handelt. Der Unterschied ist die finale Altersangabe. Während etwa Whisky stets nur den jüngsten Brand in der Flasche als Zahl führen darf, gibt es diese Beschränkung bei Rum nicht. Sprich: Ein Solera-Rum mit der Zahl 18 auf der Flasche darf zu großen Teilen aus vierjährigen Rums bestehen, solange 18jähriger Rum irgendwie mitverarbeitet wurde.

Ursprünglich stammt das „Sistema Solera“ wie eingangs erwähnt aus der Sherry-Produktion Andalusiens, wo es wohl ursprünglich eingeführt wurde, um die Qualität weniger guter Wein-Jahrgänge durch die intensiven Aromen der vorhergehenden Jahrgänge zu erhöhen. Heute sind hier teilweise bis zu 100 Jahre alte Soleras in Betrieb. Freilich ist der Anteil „echten“ 100jährigen Sherrys in diesem Kreislauf gering und auch die Fässer wurden in dieser Zeit mehrfach ausgetauscht, trotzdem schwingt bei einem derart alten Tropfen immer ein Hauch von Geschichte mit.

Ist das Solera-System grundsätzlich qualitativ schlecht?

Nein, viele Soleras erzeugen fantastische Sherrys, Brandys, Rum-Sorten und seit einiger Zeit sogar Whiskys wie im Fall des Glenfiddich Solera 15 Jahre. Ähnlich wie bei der Zuckerung von Rum liegt das Problem eher in der leider oft mangelhaften Transparenz der Hersteller: Wer eine Spirituose mit Altersangabe kauft, erwartet eben nicht, dass sein Schnaps mit gefälschtem Ausweis zur Party erscheint. Erschwerend kommt hinzu, dass viele Verbraucher mit dem Begriff „Solera“ an sich nichts anfangen können und einfach ein klassisch gereiftes Produkt hinter der Zahl vermuten. Noch problematischer wird es, wenn ein Rum gar nicht aus einer echten Solera stammt, sondern einfach unterschiedliche Jahrgänge miteinander zu einem Blend vermählt. Das muss erstmal nichts Schlechtes sein – aber wenn jemand nur „Solera“ auf die Flasche schreibt, weil es gut klingt, dann wird hier schlichtweg gelogen.

Hauptsächlich betrifft dieses Problem wohlgemerkt die Zuckerrohr-Destillate. Altersprädikate für Brandy de Jerez geben zum Beispiel das Durchschnittsalter dieses spanischen Weinbrands an. Ein Brandy de Jerez Solera Reserva ist im Schnitt etwa mindestens 3 Jahre alt. Aber auch bei Melasse-Spirituosen geht der Trend zu mehr Transparenz: So greift der kolumbianische Dictador-Rum das Brandy-System auf und gibt ebenfalls ein Durchschnittsalter an. Der La Hechicera aus derselben Ecke erklärt auf seinen neuen Etiketten, dass der Rum in der Flasche eine Vermählung aus Destillaten von 12 bis 21 Jahren ist. Ein Alter, mit dem man sich in der Welt des Zuckerrohrs nicht verstecken muss.

Die Moral von der Geschichte: Wenn „Solera“ auf der Flasche steht, kann es sich lohnen, mal beim Experten, Fachhändler oder im Netz nachzufragen. Aber wer derart gereiften Rum aus Prinzip verschmäht, der bringt sich selbst um ein paar ziemlich genussvolle Abende.

 

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